Was ist gutes Design?

Visu­el­le Kom­mu­ni­ka­ti­on ist die wich­tig­ste Form der Kom­mu­ni­ka­ti­on, weil wir über die Augen am mei­sten wahr­neh­men. Wie etwas aus­sieht ist des­halb essen­zi­ell da-für, ob es Men­schen gefällt oder nicht und schluss­end­lich auch, ob sie bereit sind etwas dafür zu bezah­len. Gutes Design macht den Erfolg von vie­len Pro­duk­ten und Dienst­lei­stun­gen aus. Doch was ist gutes Design?
Titelfoto Blogartikel: Was ist gutes Design? - Apple Produkte
Bild­quel­le: Juli­an O’hayon
Die­ter Rams ist ein Name, wel­cher jedem Desi­gner ein Begriff ist. Der deut­sche Indu­strie-Desi­gner präg­te Jahr­zehn­te lang das Pro­dukt­de­sign von Braun. Von 1961 bis 1995 design­te er Rasie­rer, Radi­os, Plat­ten­spie­ler und unzäh­li­ge ande­re Gerä­te, wel­che bei den Men­schen zu Hau­se ste­hen. Sein Design ist zeit­los und sein Ein­fluss auf die gesam­te Design-Bran­che enorm. Vie­le jun­ge Desi­gner las­sen sich von Die­ter Rams inspi­rie­ren und auch gros­se Unter-neh­men beach­ten sei­ne Grund­sät­ze. So wur­de das Design vie­ler Apple Pro­duk­te von Braun Pro­duk­ten abge­lei­tet. Rams schrieb “Zehn The­sen für gutes Design”, wel­che beschrei­ben, wel­che Merk­ma­le gutes Design erfül­len muss. Wir fas­sen die­se zehn The­sen zusam­men, sodass Sie die­se ver­ste­hen und nut­zen kön­nen.

1. Gutes Design ist innovativ.

Gutes Design muss mit den tech­no­lo­gi­schen Fort­schrit­ten mit­ge­hen und die­se nut­zen. Es muss sich anpas­sen und den Fort­schritt vor­an­trei­ben. Ein gutes Bei­spiel dafür ist Respon­si­ve Design bei Web­sites. Die aller­er­sten Web­sites wur­den nur für Desk­top Com­pu­ter kre­iert und waren nur einer klei­nen Anzahl Men­schen zugäng­lich, weil in den 90er Jah­ren nur eine begrenz­te Anzahl Per­so­nen einen Inter­net­zu­gang hat­te. Heut­zu­ta­ge muss das Web­de­sign aber auf ganz vie­le ver­schie­de­ne Gerä­te und Auf­lö­sun­gen opti­miert sein und sich anpas­sen. Das inno­va­ti­ve Design die­ser Gerä­te hat den Fort­schritt gleich­zei­tig vor­an­ge­trie­ben, wenn man zum Bei­spiel an die Erfin­dung des iPho­nes oder des iPads denkt, wel­che damals total neue Bild­schirm­di­men­sio­nen und Auf­lö­sun­gen hat­ten.

2. Gutes Design macht ein Produkt brauchbar.

Pro­duk­te und Dienst­lei­stun­gen haben neben ihrer eigent­li­chen Funk­ti­on immer noch wei­te­re Funk­tio­nen für ihre Benut­zer. Sie geben den Men­schen einen psy­cho­lo­gi­schen bzw. emo­tio­na­len Nut­zen. Man kauft bei­spiels­wei­se einen Sport­wa­gen, um sei­nen sozia­len Sta­tus zu prä­sen­tie­ren oder man kauft sich ein iPho­ne, um sich modern und anders («Think dif­fe­rent») zu füh­len. Gutes Design wid­met sich vor allem der pri­mä­ren Funk­ti­on des Pro­duk­tes, die es erfül­len soll und lässt alles ande­re weg, was die Erfül­lung die­ser Funk­ti­on stö­ren könn­te.

3. Gutes Design ist ästhetisch.

Die Ästhe­tik eines Pro­duk­tes ist ein wich­ti­ger Fak­tor für sei­ne Brauch­bar­keit. Die­ter Rams sieht Rein­heit als ästhe­tisch. Das bedeu­tet, dass die Funk­ti­on im Zen­trum ste­hen und alles, was unnö­tig ist, ent­fernt wer­den soll. Unser Umfeld beein­flusst unser Wohl­be­fin­den tag­täg­lich und des­halb ist es umso wich­ti­ger, dass die Din­ge um uns her­um schön aus­se­hen. Es kann aber nur schön sein, was so gemacht ist, dass es sei­ne Funk­ti­on erfüllt.

4. Gutes Design macht ein Produkt verständlich.

Gutes Design schafft es, dass sich ein Pro­dukt durch sein Aus­se­hen selbst erklärt. So wis­sen die Benut­zer gleich, was sie tun müs­sen und wie sie ein Pro­dukt ver­wen­den sol­len. Ein gutes Bei­spiel sind die bei­den Löcher bei einer Sche­re. Auch wer noch nie eine Sche­re benutzt hat, wird irgend­wann auf die Idee kom­men, sei­ne Fin­ger hin­durch zu stecken. Genau gleich ver­hält es sich mit digi­ta­len Benut­zer­ober­flä­chen, wo Icons und Sym­bo­le häu­fig selbst­er­klä­rend sind und die Benut­zer durch die User Expe­ri­ence füh­ren. Eine Lupe steht für Suche. Eine Lupe mit einem Plus steht für Ver­grös­sern. Der Laut­spre­cher regelt die Laut­stär­ke. Es gibt unzäh­li­ge die­ser Sym­bo­le, wel­che eine gewis­se Bedeu­tung haben.

5. Gutes Design ist unaufdringlich.

Pro­duk­te und Dienst­lei­stun­gen, wel­che eine bestimm­te Auf­ga­be erfül­len, beschrän­ken sich dar­auf. Sie die­nen weder der Deko­ra­ti­on noch sind es Kunst­wer­ke, wes­halb sie in den Hin­ter­grund tre­ten und den Benut­zern den nöti­gen Raum zur Selbst­ver­wirk­li­chung geben soll­ten. Ein gutes Bei­spiel bringt der iPho­ne Desi­gner Jon Ives. Er sagt, dass er sehr ger­ne auf der Platt­form Medi­um liest, weil es da nur um den Inhalt gin­ge. Im Gegen­satz zu den mei­sten Lese­platt­for­men, wo Vide­os, Anzei­gen, beleb­te Sei­ten­lei­sten und mehr, die Benut­zer vom eigent­li­chen Grund ablen­ken, wie­so sie über­haupt auf der Web­site sind.

6. Gutes Design ist ehrlich.

Das Design eines Pro­duk­tes soll­te es nicht bes­ser aus­se­hen las­sen, als es eigent­lich ist. Es soll­te den Benut­zern kei­ne fal­schen Ver­spre­chen machen und sie ver­su­chen, hin­ters Licht zu füh­ren. Design muss authen­tisch sein und zum Pro­dukt oder der Dienst­lei­stung pas­sen. Denn das weckt Ver­trau­en bei den Benut­zern und bil­det den Grund­stein für eine lang­fri­sti­ge Kun­den­be­zie­hung. Dies erfor­dert ein tie­fes Ver­ständ­nis des Desi­gners für die jewei­li­ge Auf­ga­be, die Mar­ke und die Ziel­grup­pe.

7. Gutes Design ist langlebig.

Gutes Design wider­steht kurz­fri­sti­gen Mode­trends und Hypes. Es wird nach­hal­tig und lang­fri­stig aus­ge­legt, wes­halb es vie­le Jah­re über­dau­ern kann. Genau so hat es sich mit vie­len Pro­duk­ten von Die­ter Rams ver­hal­ten. Auch wenn sie teil­wei­se über 50 Jah­re alt sind, könn­te man mei­nen, dass sie erst gestern erschie­nen sind. Es gibt eini­ge Pro­duk­te, wel­che zeit­los sind und nie aus der Mode kom­men. Die Klei­dungs­in­du­strie ist ein kla­res Gegen­teil dazu, wobei H&M ein sehr gutes Bei­spiel ist. Der Kon­zern setzt auf Weg­werf­de­sign, ver­folgt Trends, ermu­tigt die Men­schen ihre Klei­dung mög­lichst häu­fig zu erset­zen und för­dert dadurch kurz­fri­sti­ges Kon­sum­ver­hal­ten.

8. Gutes Design ist konsequent bis ins letzte Detail.

Das bedeu­tet, dass eine bestimm­te Linie durch das gesam­te Pro­dukt oder die Dienst­lei­stung durch­ge­zo­gen wer­den muss. Dies gibt dem Design eine Logik und die erwähn­te Kon­se­quenz. Far­ben, Schrif­ten, For­men, Mate­ria­li­en, alles muss auf­ein­an­der abge­stimmt sein und ein stim­mi­ges Bild erge­ben. Es reicht nicht, wenn man das nur bei einem gewis­sen Teil des Designs macht, weil nur klei­ne Feh­ler oder Unauf­merk­sam­kei­ten das gesam­te Design zer­stö­ren kön­nen.

9. Gutes Design ist umweltfreundlich.

Design bedeu­tet im Grun­de nichts ande­res, als eine Lösung zu einem bestimm­ten Pro­blem zu ent­wer­fen. Das kann eine Web­site oder ein Logo sein, wo es dar­um geht, die Kom­mu­ni­ka­ti­on einer Mar­ke zu kre­ieren. Dies kann aber auch eine Ver­packung, eine Lie­fer­ket­te oder ein Arbeits­ab­lauf sein. Gutes Design ach­tet dar­auf, mög­lichst wenig zu ver­schwen­den und die phy­si­sche und visu­el­le Ver­schmut­zung gering zu hal­ten. Es mini­miert den Res­sour­cen­ver­brauch und auch die Ver­schwen­dung mensch­li­cher Arbeit. Den Benut­zern fällt es auf, wenn eine Lösung schlecht erar­bei­tet wur­de und man­gel­haft ist. Dies wirkt sich schluss­end­lich auch auf die gesam­te User Expe­ri­ence und auf zukünf­ti­ge Kauf­ent­schei­dun­gen aus.

10. Gutes Design ist so wenig Design wie möglich.

Wider­sprüch­li­che Zie­le, kurz­sich­ti­ges Ver­hal­ten und sozia­le Moti­va­to­ren (Sta­tus, Reich­tum, Macht) sind eini­ge der Grün­de, wie­so unser Umfeld teil­wei­se ver­un­stal­tet wird. Die Resul­ta­te füh­ren zu Ver­är­ge­rung und Ent­täu­schung und man fragt sich manch­mal: “Wer hat das bloss erfun­den?” oder «Wer hat das bloss kon­zi­piert?» Manch­mal ist es des­halb bes­ser, Pro­duk­te und Dienst­lei­stun­gen so wenig wie mög­lich zu gestal­ten und sie in ihrer rein­sten Form zu belas­sen.

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